Mario Ohoven

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Schüsse nach hinten

ErfolgGriechenland bleibt todkrank. Das jüngste Rettungspaket verschafft Athen allenfalls eine Atempause, ein zweiter Schuldenschnitt folgt unweigerlich. Doch das sind Peanuts im Vergleich zur Rückzahlung der EZB-„Bazooka“. Nach der Rettung ist einmal mehr vor der Rettung. Auch das frische Geld aus Brüssel bringt Griechenland keine Genesung, sondern verlängert lediglich das Leiden. Ein indirekter Nutznießer der Milliardenspritze ist die Bundesregierung. Denn die Agonie Athens wurde trickreich über die Bundestagswahl im Herbst 2013 hinaus ausgedehnt.

Gleichwohl kommt der Kollaps unausweichlich. Wir erinnern uns: Vor drei Jahren löste das Eingeständnis der griechischen Regierung, die Haushaltszahlen geschönt zu haben, die Krise in Euroland aus. Seither gab es zwei Rettungspakete, einen Schuldenschnitt und Sparprogramme zuhauf. Im Ergebnis weist Hellas heute mehr statt weniger Schulden auf. Schon deshalb lässt sich das politische Ziel, die Schuldenquote von 190 Prozent des BIP bis 2020 auf 124 Prozent zu drücken, kaum erreichen.

Dem Vernehmen nach sieht die EU-Kommission intern den Schuldenstand im Jahr 2014 ohnehin bei etwa 190 Prozent. Aber es wird noch besser: Die irrwitzige Zusage der Euro-Länder, die griechische Schuldenlast bis 2022 auf unter (!) 110 Prozent der Wirtschaftsleistung senken zu wollen, setzt, sofern sie auch nur ansatzweise eingelöst werden soll, zwingend einen zweiten Schuldenschnitt voraus.

Auch der Plan, Griechenland durch einen Schuldenrückkauf zu entlasten, ist zum Scheitern verurteilt. Die Idee scheint simpel. Athen bietet privaten Gläubigern den Rückkauf von Staatsanleihen zu 35 Cent pro Euro Nominalwert an. Momentan werden sie zwischen 20 und 30 Cent gehandelt. Das Modell hat jedoch zwei Haken. Zum einen ziehen die Preise an, sobald das Programm anläuft. Das schreckt Investoren ab. Zum anderen weiß bisher niemand, woher das Geld zum Rückkauf kommen soll.

So oder so wird es für Deutschland teuer. Ein Schuldenschnitt von 50 Prozent wäre mit rund 20 Milliarden Verlust noch eine vergleichsweise günstige Variante. Ansonsten werfen wir weiterhin gutes Geld schlechtem hinterher – sofern solches überhaupt noch vorhanden ist. Die größte Bedrohung geht nämlich gegenwärtig von der EZB-Bazooka aus.

Mit martialischem Vokabular sollte man generell vorsichtig umgehen. Beispielsweise mit dem Begriff Bazooka, der eine rückstoßfreie Waffe meint. Der Kredit der EZB über eine Billion Euro für den europäischen Finanzsektor erweist sich eher als Rohrkrepierer. Jedenfalls droht der Rückstoß in Form der Rückzahlung 2014 und 2015 die Weltwirtschaft aus der Bahn zu werfen. Kaushik Basu, Chefvolkswirt der Weltbank, warnte bereits vor einer, so wörtlich, „Schulden-Wand, die auf uns zukommt.“

Mit anderen Worten: Der Schuss der EZB ging gründlich nach hinten los. Gleiches gilt bislang für die Griechenland-Rettung. Den Strategen in Brüssel und Berlin sei ein Blick in Carl von Clausewitz’ Klassiker „Vom Kriege“ empfohlen. Da heißt es: „Der Angriff soll einem kräftig getriebenen Pfeil und nicht einer Seifenblase gleichen, die sich bis zum Zerplatzen ausdehnt.“