Mario Ohoven

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Land am Rubikon

ErfolgDie nächste Eurokrise dürfte von Italien ausgehen. Das Land ist hoch verschuldet, beim Stresstest fielen italienische Banken reihenweise durch. Brüssel will Investitionen ankurbeln, hat aber kein Geld. Schon spekulieren die Märkte auf ein Ende der Eurozone. Eine massive Kapitalflucht hat eingesetzt.

 

Der sprichwörtliche Rubikon ist überschritten. Italien steckt in der Schuldenfalle, aus der es sich aus eigener Kraft kaum mehr befreien kann. Die drittgrößte Volkswirtschaft der Europäischen Union hat sich zu einer Bedrohung für die gesamte Eurozone entwickelt. Wirtschaftliche Schwäche und eine dramatische Verschuldung ziehen das Land immer weiter nach unten.
Italiens Staatsschulden haben beängstigende Ausmaße angenommen. Sie summieren sich aktuell auf 2,1 Billionen Euro, das entspricht über 130 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung. Ein trauriger Rekord – nur Griechenland steht in der EU noch schlechter da. Die schrumpfende Wirtschaftskraft versuchte Rom bislang durch eine höhere Verschuldung auszugleichen. So stiegen die Schulden des Staatssektors von 2008 bis heute um ein Drittel.

 
Gut 400 Milliarden an Staatsanleihen halten italienische Banken. Anders gesagt: Öffentliche Schulden machten Ende des Vorjahres rund zehn Prozent ihrer Bilanzsumme aus. Kein Wunder, dass Italiens Kreditinstitute beim europäischen Stresstest versagt haben. Von den insgesamt 15 getesteten Banken fielen neun krachend durch. Auf diese Zahl kommen die übrigen EU-Schwachländer Spanien, Griechenland, Irland und Zypern zusammen. In den Büchern der italienischen Banken türmen sich Kredite, die wohl nie zurückgezahlt werden. Fast 22 Prozent der Forderungen hat die EZB als notleidend eingestuft. In Deutschland waren es 7,3 Prozent.

 
Seit Ausbruch der Krise im Jahr 2007 ging das italienische BIP um neun Prozent zurück, die Industrieproduktion nahm sogar um 24 Prozent ab.  Es scheint nur eine Frage der Zeit, bis Italien den Minsky-Moment erreicht, benannt nach dem amerikanischen Ökonomen Hyman Minsky. Von da an reichen die Erträge aus den Vermögenswerten nicht mehr aus, um jene Schulden zu begleichen, die aufgenommen wurden, um diese Vermögenswerte ursprünglich zu kaufen.

 
Hilfe für Rom ist nicht in Sicht. Zwar hat EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker den Krisenstaaten eine Milliardenspritze versprochen. Mit rund 300 Milliarden Euro sollen Investitionen angeschoben werden. Doch niemand weiß, woher das Geld kommen soll. Es wird wohl erneut auf kreative Buchführung hinauslaufen. Schon beim EU-Wachstumspakt zauberte Brüssel 120 Milliarden Euro aus dem leeren Hut. Damals wurden einfach potenzielle Überschüsse aus dem EU-Haushalt, Geld der EIB und private Mittel addiert.

 
Wie es um Euroland wirklich bestellt ist, haben die Finanzmärkte längst durchschaut. Erste Investoren spekulieren auf einen Zerfall der Währungsunion. Gleichzeitig nimmt die Kapitalflucht zu. So haben allein im September schätzungsweise 35 Milliarden Euro die Eurozone verlassen, der größte Schwund seit Anfang 2012. Analysten rechnen damit, dass die Geldabflüsse zum Jahreswechsel die 400-Milliarden-Grenze erreichen. Als gelte das Motto: Rette sich, wer kann.