Mario Ohoven

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Kalte Enteignung

ErfolgDer globale Schuldenberg wächst weiter. Dazu kommt ein aufgeblähter Finanzmarkt. Allein das Volumen der Derivate übersteigt die Weltwirtschaftsleistung um ein Vielfaches. Gleichzeitig braucht EU-Sorgenkind Griechenland spätestens 2015 eine neue Milliardenspritze. Zur Finanzierung will der IWF notfalls die Sparer zwangsweise zur Ader lassen.

Schneeballsysteme kennen viele Verlierer, und einen Gewinner. Die Mitspieler werden um ihren Einsatz gebracht, der Initiator macht Kasse. Anders verhält es sich mit der Staatsverschuldung. Das globale finanzielle Schneeballsystem hat nach der Krise größere Ausmaße als je zuvor erreicht. Hier kann es am Ende nur Verlierer geben.

Die Führungsmacht der westlichen Welt hat auch beim Schuldenmachen die Nase vorn. In den vergangenen zehn Jahren kletterte der Schuldenstand der USA um 10,5 Billionen auf 17,6 Billionen Dollar. Doch das ist nur die sprichwörtliche Spitze des Eisbergs. Die Gesamtschulden der Amerikaner, also von Staat, Unternehmen und Privathaushalten, summieren sich auf 59,4
Billionen Dollar oder 350 Prozent des Bruttoinlandsprodukts.

Noch höher, nämlich 223,3 Billionen Dollar, ist der weltweite Schuldenberg; das sind 313 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung. Knapp 160 Billionen Dollar entfallen davon auf die Industriestaaten. Was ihnen recht ist, scheint den Schwellenländern billig. Sie verdreifachten ihre Schulden innerhalb eines Jahrzehnts auf heute 66,3 Billionen. Damit nicht genug: Parallel zur Staatsverschuldung gehen Banken immer stärker ins Risiko. So sind derzeit die 25 größten US-Banken bei Derivaten mit knapp 237 Billionen Dollar engagiert. Allein dieses Volumen übersteigt die gesamte US-Volkswirtschaft um das 14-fache. Noch gewaltigere Dimensionen weist das globale Geschäft mit Derivaten auf. Während das weltweite BIP bei rund 72 Billionen Dollar liegt, schätzen Experten den Derivatehandel auf bis zu 1.500 Billionen US-Dollar. Es ist eine Frage der Zeit, bis dieses Schneeballsystem implodiert.

Was passiert, wenn wirtschaftliche Schwäche und skrupellose Spekulation zusammentreffen, lehrt das Beispiels Athens. Bislang mussten für die kranken Hellenen Rettungspakete im Umfang von rund 240 Milliarden Euro geschnürt werden. Dennoch wurde die Pleite nur verschoben. Nach Einschätzung des Internationalen Währungsfonds (IWF) kann Griechenland seine Zusage zur Schuldenrückzahlung nicht einhalten. Schlimmer noch: Im Haushalt tut sich (erneut) eine Finanzlücke auf. Über deren Größe streiten die Experten. Athen räumt ein Defizit von zwei Milliarden Euro ab 2015 ein. Beim IWF geht man eher von einem Finanzbedarf von annähernd 13 Milliarden Euro aus.

Klarheit herrscht dagegen, wie das Loch zu stopfen ist. Der IWF bastelt gerade an einem Plan zur kalten Enteignung von Sparern. Demnach sollen bei einer Schuldenkrise Gläubiger wesentlich früher herangezogen werden. Zur Erinnerung: Griechenlands Gläubiger mussten 2012 auf 53,5 Prozent ihrer Forderungen verzichten. Beim nächsten Mal könnten die Laufzeiten der Anleihen verlängert werden. Oder der Zinssatz wird kurzerhand gesenkt. Ebenfalls klar ist, wen es trifft. Gläubiger sind vor allem die Besitzer von Lebensversicherungen und anderer Formen der Alterssicherung – sprich: der deutsche Sparer.