Mario Ohoven

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EZB im Kaufrausch

ErfolgDie Europäische Zentralbank (EZB) steckt in der Klemme. Ihre Einkaufstour bei Staats- und Firmenanleihen dürfte demnächst ein unfreiwilliges Ende finden, weil es am Markt keine geeigneten Wertpapiere mehr gibt. Die Bilanz der EZB-Politik fällt desaströs aus: zur irrwitzigen Aufblähung der Bilanzsumme kommt eine horrende Verschuldung in Euroland.

Viele Fans findet die EZB für ihre Politik nicht mehr. Einer von ihnen ist Frankreichs Notenbankchef Francois Villeroy de Galhau. Er spricht sogar von der Pflicht, diesen Kurs fortzusetzen. Vielleicht hatte er dabei die französische Zeichentrickserie „Les Shadoks“ im Hinterkopf. Darin rennen vogelähnliche Wesen immer wieder vergeblich gegen eine Wand an, um sie zu durchbrechen. Sie machen trotzdem weiter nach der Devise: Je öfter etwas schiefgeht, desto größer ist die Chance, dass es glückt.

Der ernste Hintergrund ist das Scheitern der EZB-Politik auf ganzer Linie. Seit Jahren kauft Mario Draghi Anleihen auf, um die Wirtschaft in Europa anzukurbeln. Ohne Erfolg, stattdessen blähte sich die Bilanzsumme der EZB auf 3,3 Billionen Euro auf, deutlich mehr als im Jahr 2012. Damals stand die Eurozone vor dem Kollaps. Inzwischen müssen Banken zum Teil Notenbankkredite nicht einmal mehr in voller Höhe zurückzahlen.

Bislang erwarb die EZB jeden Monat Staats- und Firmenanleihen im Wert von rund 80 Milliarden Euro. Das Gesamtvolumen beträgt 1,7 Billionen Euro. Noch, denn Draghis Kaufrausch dauert an. Jetzt steht er vor jedoch dem Problem, dass am Markt kaum mehr passende Papiere verfügbar sind. Der Grund: Die Notenbank kauft nur solche an, deren Verzinsung über dem Einlagezins von minus 0,4 Prozent liegt.

Hält die EZB an dieser Grenze fest, kommen derzeit schon 60 Prozent aller Bundesanleihen nicht mehr in Frage. Das reicht bei deutschen Anleihen bis März 2017, für finnische Staatspapiere ist bereits im November Schluss. Folglich muss sich Draghi nach alternativen Anlagen umschauen, Aktien zum Beispiel. Hier könnte er auf das Vorbild der Schweiz oder Japans verweisen, um Kritik zu kontern.

Der Ankauf von Aktien wäre allerdings äußerst riskant. Fällt deren Kurs, müsste die EZB an der Börse im Wortsinne handeln, um den Wert ihres Aktienpakets zu sichern. Erste Finanzmarktexperten spekulieren schon, ob den Anleihen und Aktien auch noch Immobilien folgen könnten. Irgendwann würde alles dem Staat gehören. Der Sozialismus lässt grüßen.

Parallel dazu schreitet die Verschuldung in Euroland im Rekordtempo voran. So erreichte der staatliche Gesamtschuldenstand im ersten Quartal 9,6 Billionen Euro, das entspricht fast 92 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Wertpapiere haben daran einen Anteil von 7,6 Billionen Euro, der Rest sind Bankkredite. In einigen Ländern der Eurozone übersteigt der Schuldenberg längst die Wirtschaftsleistung.

Auch die Vergesellschaftung der Schulden in der Eurozone geht unaufhaltsam weiter. Banken halten Staatsschulden in Höhe von 2,9 Billionen Euro. Das Gros der Schulden liegt jedoch in den Händen von Pensionsfonds oder Versicherungen. Im Klartext: das volle Risiko tragen am Ende die Sparer und Steuerzahler in Europa – und damit vor allem in Deutschland.