Mario Ohoven

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Dollar-Dämmerung

ErfolgDer US-Dollar gilt als globale Leitwährung. Die USA setzen ihn seit jeher auch als geostrategische Waffe ein. Doch die Vormachtstellung erodiert. China baut seinen Yuan systematisch zur Alternativwährung für Handel und Kapitalmärkte auf. Am Ende könnte ein eurasischer Wirtschaftsblock stehen.

Monopolistischer Merkantilismus, auf diese einfache Formel lässt sich die expansive Währungspolitik der USA bringen. Bisher hat Washington damit durchaus Erfolg. Der US-Dollar fungiert seit Jahrzehnten als weltweite Leitwährung. Über 80 Prozent des internationalen Handels werden bis dato darin abgewickelt, der Greenback bildet mit mehr als 60 Prozent die Basis weltweiter Währungsreserven.

Nach einer erfolgreichen Transaktion geht das Geld gewöhnlich in US-Staatsanleihen. Sie machen mittlerweile mit 11,6 Billionen Dollar den größten globalen Anleihenmarkt aus. Nur so können sich die USA wiederum den weltweit höchsten Militäretat von jährlich 640 Milliarden Dollar und milliardenteure Kriegseinsätze im Ausland leisten. Womit wir beim Merkantilismus wären. Sein wesentliches Merkmal war die Finanzierung eines starken stehenden Heeres durch Exportgewinne.

Die Rolle der Waren hat heute weitgehend die Währung übernommen. Verträge dienen den USA vorzugsweise der Verbreitung der eigenen Währung. So werden seit dem Abkommen von Bretton Woods alle wichtigen Rohstoffe in US-Dollar gehandelt. Das gibt Washington eine wirkungsvolle wirtschaftspolitische Waffe an die Hand: die Isolierung oder den vollständigen Ausschluss vom Dollar.

Für die betroffenen Länder hat das fatale Folgen: Verfall der eigenen Währung, Kapitalflucht, galoppierende Inflation, schließlich ein Investitionsstopp. Argentinien, der Iran und neuerdings Russland können ein Lied davon singen. In allen Fällen stehen strategische Interessen der USA auf dem Spiel. Argentinien verfügt über riesige Erdgasreserven – die noch dem Zugriff von US-Konzernen entzogen sind. Teheran und Moskau könnten sich stärker einander und China zuwenden.

Peking wirbt nämlich nachdrücklich für sein Projekt „Neue Seidenstraße“. Dessen Grundidee ist ein eurasischer Wirtschaftsblock. Dies gilt es aus Sicht der USA mit (nahezu) allen Mittel zu verhindern. Dem Mullah-Regime könnte Washington bei der zivilen Nutzung der Atomenergie entgegenkommen, im Gegenzug würden künftig auch iranisches Erdgas und Öl in Dollar gehandelt.

In Europa möchten die USA mittelfristig Russland als Energielieferant ablösen. Auf Dollar-Basis, versteht sich. Dazu passt das umstrittene transatlantische Freihandelsabkommen TTIP. Auch in Asien ist Washington aktiv: Beim Freihandelskontrakt mit Japan und anderen Verbündeten und Partnern soll China tunlichst außen vor bleiben.

Die Chinesen ficht das kaum an. Sie schließen mit Schwellenländern bilaterale Verträge, bei denen der Rivale USA das Nachsehen hat. Der heimische Yuan wird unterdessen zielstrebig zur weltweiten Handels- und Reservewährung aufgebaut. In Europa und Asien schießen Yuan-Handelsplätze wie Pilze aus dem Boden. Und mit massiven Goldaufkäufen stärkt Peking das Vertrauen in seine Währung. Die Dämmerung des Dollars hat begonnen.