Mario Ohoven

Die Stimme des Mittelstands
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Arithmetische Armut

ErfolgIn Deutschland wächst die Armut. Das behaupten zumindest bestimmte soziale Interessengruppen und Medien. Doch die Horrormeldungen halten einer kritischen Prüfung nicht stand. Ebenso wenig wie die gern verbreitete These, die Reichen hierzulande verdanken ihr Vermögen vorwiegend Ererbtem und nicht eigener Arbeit. 

Unserem Land droht die Verelendung. Diesen Eindruck vermittelt wenigstens der jüngste Armutsbericht des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes. Die Pressemeldung dazu ist überschrieben mit „Armut auf Höchststand: Studie belegt sprunghaften Armutsanstieg in Deutschland“. Starke Worte, die ein ebenso starkes mediales Echo fanden.
Doch besteht überhaupt Anlass zu Alarmismus? Ein klares Nein ist die Antwort. Die Massenverarmung entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als Propaganda pur. Das beginnt beim Auftraggeber der Studie. Der Paritätische Wohlfahrtsverband ist eine mächtige Lobbyorganisation. Ihr gehören weniger die Armen und Schwachen an, als vielmehr über 10.000 soziale Vereinigungen und Gruppierungen. Kritiker sprechen von einer Helferindustrie.
Nun zur Studie selbst: Danach lebt fast jeder sechste Bundesbürger unter der Armutsgrenze. Insgesamt seien 12,5 Millionen Menschen von Armut betroffen, die soziale Kluft werde immer tiefer, warnt die Wohlfahrtslobby. Das klingt dramatisch, hat aber mit der Realität nichts zu tun. Denn laut Studie gilt bereits als arm, wer weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens („Median“) erzielt. Etwa ein Alleinverdiener mit Ehepartner, zwei Kindern und einem Monatsbrutto von 3.300 Euro. Von Studenten und Azubis ganz zu schweigen. Sie rangieren unter der 60-Prozent-Schwelle, ohne deshalb im strengen Sinne bedürftig zu sein.
Das Medianmodell scheitert zudem an regionalen Unterschieden. Der Beispiel-Berufstätige hätte sicherlich Schwierigkeiten, von seinem Monatssalär die Miete für eine Wohnung in der Münchner Innenstadt zu zahlen. Auf dem Lande aber stünde er vergleichsweise gut da. In der Schweiz wiederum liegt die Armutsgrenze bei einem Haushaltseinkommen von unter 5.100 Franken.
Absurd wird die Arithmetik, wenn man die relative Armut weiterdenkt. Würde der Wohlstand in Deutschland extrem wachsen, bliebe das Ausmaß der Armut gleich. So läge bei einer Verhundertfachung der Einkommen mit entsprechender Anhebung von Hartz IV die Armut im Sinne der Studie nach wie vor auf Rekordniveau. Dieser Logik folgend, gäbe es in Nordkorea kaum einen Armen.
Auch der angeblich historische Armutshöchststand in Deutschland hält einer kritischen Prüfung nicht stand. Die erste Statistik stammt aus dem Jahr 2005. Schon damals betrug der Armutsquotient 14,7 Prozent, was der jüngste Armutsbericht verschweigt. Ein Anstieg auf 15,5 Prozent im Jahr 2013 ist daran gemessen nicht gerade rekordverdächtig.
Schließlich gilt es, am anderen Ende der Einkommensskala mit gängigen Vorurteilen aufzuräumen. Forscher der FU Berlin und des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung sind der Frage nachgegangen, ob Vermögen bei uns überwiegend ererbt oder durch eigene Leistung erarbeitet sind. Und siehe da: Nur ein Drittel des Gesamtvermögens der privaten Haushalte stammt aus Erbschaften oder Schenkungen.