Mario Ohoven

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Am Abgrund

ErfolgGriechenlands Rekordverschuldung ist nur die Spitze des Eisbergs. Weltweit haben Staaten, Unternehmen und Privathaushalte zehn Billionen Dollar Schulden aufgehäuft. Ein erheblicher Teil der Verbindlichkeiten lautet auf Dollar. Mit dem Erstarken des Greenbacks droht vielen Schwellenländern der finanzielle Kollaps.

Aristoteles kannte seine Landsleute nur zu gut. In der kleinen Schrift Oikonomika verrät er 77 Tricks der Hellenen für eine kreative Haushaltspolitik. Dabei wird ein Grundmuster erkennbar: zahlen sollen immer die anderen. Das gilt bis heute. Die neue Athener Regierung denkt nicht im Traum daran, die Schulden des Landes zurückzuzahlen. Dafür dürfen andere aufkommen, am liebsten Deutschland.

Griechenland steht derzeit mit 320 Milliarden Euro bei seinen Gläubigern in der Kreide. Bei einem Grexit, also dem Austritt aus der europäischen Gemeinschaftswährung, wäre die Staatspleite unvermeidlich. Denn Euro-Partner und IWF müssten einen Teil der 240 Milliarden Euro aus den beiden Hilfspaketen abschreiben. Am deutschen Steuerzahler blieben dann bis zu 80 Milliarden Euro hängen.

Doch Athens Schulden-Akropolis ist nur ein Hügelchen, gemessen am globalen Schuldenberg. In den vergangenen Jahren haben sich Staaten, Unternehmen und private Haushalte in aller Welt mit insgesamt zehn Billionen Euro verschuldet. Wachsenden Anteil daran haben die Schwellenländer.

Die ungezügelte Schuldenaufnahme könnte ihnen jetzt zum Verhängnis werden. Der Grund: Die allermeisten Verbindlichkeiten lauten nicht auf die eigene Währung, sondern auf US-Dollar. Dieser dominiert mit einem Anteil von 63 Prozent den Markt der grenzüberschreitenden Schuldtitel. Der Euro bringt es auf 19 Prozent, gefolgt vom britischen Pfund mit gerade einmal acht Prozent.

Dank kräftigen Wachstums stellten Zinsdienst und Tilgung für die Emerging Markets bislang kein Problem dar. Das änderte sich mit dem jüngsten Höhenflug des Greenbacks grundlegend. Aktuell summieren sich die auf Dollar lautenden Anleihen der Schwellenländer auf rund 2,6 Billionen Dollar. Weitere drei Billionen Dollar kommen in Form länderübergreifender Bankdarlehen hinzu. Beides zusammen entspricht in etwa Japans Wirtschaftskraft. Zudem haben die Wachstumsländer häufig ihre Investitionen auf Pump getätigt. Das bringt jetzt zunehmend heimische Unternehmen in Schwierigkeiten.

Dabei hätte man aus der (modernen) Geschichte lernen können. Anfang der 1980-er Jahre ließ ein starker Dollar einige südamerikanische Länder an den Rand des Abgrunds taumeln. Mitte und Ende der Neunzigerjahre erwischte es die Tigerstaaten in Asien. Einzig Peking hat klug Vorsorge getroffen. Schulden Pekings von 1,1 Billionen Dollar stehen Devisenreserven von knapp vier Billionen Dollar gegenüber.

Aus der Schuldenfalle, in der Industrie- und Schwellenländer gleichermaßen stecken, führt nur ein Weg: „…die Ausgaben dürfen nicht größer als die Einnahmen werden“. Auch das schon nachzulesen bei Aristoteles.