Mario Ohoven

Die Stimme des Mittelstands
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(Un)freiwilliger Verzicht

ErfolgGriechenland ist ein Fass ohne Boden. Immer neue Löcher tun sich auf, alle Hilfen verpufften wirkungslos. Das gilt auch für ein mögliches neues Rettungspaket nach der Bundestagswahl. Am Ende wird Deutschland Milliarden abschreiben müssen.Die Büchse der Pandora ist scheinbar geöffnet. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble hat nun auch offiziell eingeräumt, dass Griechenland nicht ohne weitere Hilfen auskommt. Was nach schonungsloser Offenheit klingt, ist reines politisches Kalkül. Würde die Bundesregierung den Wählern vor dem 22. September tatsächlich reinen Wein einschenken, hätte das sicherlich negative Auswirkungen auf ihre Wiederwahl.

Die drohenden neuen Finanzspritzen sind nämlich nur die halbe Wahrheit. Schon heute steht fest, dass Athen seine Schulden nicht einmal ansatzweise zurückzahlen kann. Deutschland sollte sich daher beizeiten auf den Verlust vieler Milliarden Euro einstellen. Alles andere käme einem Wunder gleich.

Doch darauf hoffen nicht einmal mehr die Hellenen selbst. Bei seinen europäischen Partnern steht Griechenland gegenwärtig mit insgesamt rund 185 Milliarden Euro in der Kreide, exklusive EZB und IWF. Und dies vor dem Hintergrund eines viel zu schwachen Wirtschaftswachstums und einer enttäuschenden Außenhandelsbilanz. „Fortschritte“ erkennt derzeit wohl nur die Bundesregierung.

Die Verschuldung Athens liegt aktuell bei 175 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Wie der marode Staat seine Schuldenquote bis 2020 auf 124 Prozent, bis 2022 sogar deutlich unter 110 Prozent des BIP drücken soll, bleibt das Geheimnis der Brüsseler Rechenkünstler. Entweder muss das Schuldenziel nach oben korrigiert werden, oder es läuft auf einen (teilweisen) Schuldenerlass hinaus. Darauf drängt insbesondere der IWF.

Ein weiterer Schuldenschnitt bei privat gehaltenen Anleihen brächte jedoch nichts. Zum einen drohen Rechtsstreitigkeiten mit ungewissem Ausgang, zum anderen ginge auch das letzte bisschen Vertrauen der Investoren verloren. Denn die europäischen Regierungen hatten die Anleihen nach dem ersten Schnitt für supersicher erklärt.

Also zusätzliche Milliardenhilfen. Diese könnten entweder als Kredit oder Transferzahlung fließen. In jedem Fall stiege der Schuldenberg weiter. Es geht um erhebliche Summen: Läuft es optimal, benötigt Griechenland in den beiden nächsten Jahren „nur“ jeweils elf Milliarden Euro. Wie groß die Löcher wirklich sein werden, weiß heute niemand. Es kommt hinzu, dass die Europäer etwaige Lücken alleine schließen müssen. Der IWF hält sich da vornehm zurück.

Um den Hellenen Luft zu verschaffen, so ein weiteres Brüsseler Denkmodell, könnten die Kredite auch in zinslose Anleihen mit langer Laufzeit umgewandelt werden. Das würde die Zinslast Athens spürbar senken. Die Geldgeber wiederum brauchten ihre Forderungen zumindest nicht vollständig in den Schornstein zu schreiben.

Die Rechnung geht allerdings nur auf, wenn Griechenland wie geplant im Jahr 2015 wieder Zugang zum Kapitalmarkt erhielte. Deutschland könnte dann die Anleihen veräußern. Dadurch bekämen wir wenigstens einen Teil der Hilfsgelder zurück. Fazit: Unter dem Strich zahlt Deutschland so oder so drauf.