Mario Ohoven

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Im Strudel der Schulden

ErfolgDer Marsch in die Verschuldung setzt sich weltweit fort. Vor allem Schwellenländer verschärfen das Tempo. Erhöht die US-Notenbank den Leitzins, ist das Desaster programmiert. Aber auch der Eurozone stehen Turbulenzen bevor. Aus eigener Kraft können sich die Schuldenländer nicht dem Strudel entziehen. Schon steht Italien am Abgrund. Ohne Schuldenschnitt droht der Absturz.

Die gute Nachricht zuerst: Die Europäische Zentralbank (EZB) hat das Volumen ihres umstrittenen Anleihekaufprogramms halbiert. Statt wie bisher 60 Milliarden Euro monatlich, will sie nur noch 30 Milliarden Euro in den Erwerb von Staatsschulden stecken. Das klingt gut – auf den ersten Blick. Denn der Aufkauf geht „mit offenem Ende“ weiter. Bis zum Frühherbst 2018 wird die EZB insgesamt 2,55 Billionen Euro in dubiosen Papieren „angelegt“ haben.

Was der Eurozone recht ist, scheint einigen Schwellenländern billig. Sie häufen Schulden an, befeuert durch internationale Investoren Tadschikistan zum Beispiel lockt mit sieben Prozent Zinsen bei Schuldscheinen, die sich reißenden Absatzes erfreuen. Dabei muss es nicht einmal zu Tricks greifen wie Katar. Das Emirat setzt auf Anleihen – und betreibt dabei Window Dressing. So hat sich dank kreativer Bilanzierung der Wert der Währungsreserven verdoppelt…

Die Kehrseite der Medaille ist eine rasante Verschuldung. Im Falle Tadschikistans stieg sie in drei Jahren von 30 auf 50 Prozent der Wirtschaftsleistung. Extensive Schuldenmacherei wird zum existenziellen Problem, wenn die US-Notenbank an der Zinsschraube dreht. Experten erwarten dies noch vor Ende der Amtszeit von Fed-Chefin Janet Yellen Anfang Februar 2018. Das macht Anlagen im eigenen Land wieder attraktiv, der Kapitalstrom in die Schwellenländer versiegt.

Was dann passiert, zeigte sich beispielhaft vor vier Jahren. Allein die Ankündigung der Fed, sie wolle ihre Anleihekäufe reduzieren, führte zu einer Panik auf den internationalen Finanzmärkten. Der dadurch ausgelöste Geldabfluss brachte insbesondere die „zerbrechlichen Fünf“, also Brasilien, Indien, Indonesien, Südafrika und die Türkei, ins Taumeln.

 
Den Kollaps konnte die US-Notenbank damals durch einen Rückzieher gerade noch verhindern. Doch unter den Spätfolgen leidet etwa die Türkei bis heute. Indikatoren sind das desaströse Zahlungsbilanzdefizit, die Höhe der Auslandsschulden und der laufende Finanzbedarf Ankaras.

Die Krise der „zerbrechlichen Fünf“ lässt erahnen, was der vergleichsweise starken Eurozone bei einer Erhöhung des US-Leitzinses droht. Eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) stellt den südlichen Schuldenländern ein vernichtendes Zeugnis aus: Italien, Spanien und Portugal werden auf normalem Wege ihre Schulden niemals los.

Sorgen bereitet vor allem Italien, die drittgrößte Volkswirtschaft der EU. Selbst bei anhaltendem Aufschwung schafft Rom es nicht, die Schuldenquote mittelfristig unter die magische Marke von 100 Prozent des BIP zu drücken. Nur ein Schuldenschnitt, so das IW, könnte die Südländer von ihren Altlasten befreien. Was eine solche Zäsur für Deutschland bedeutet, sollte jedem klar sein.