Mario Ohoven

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Im Schuldensumpf

ErfolgDie Eurozone ist weiter denn je von einer Gesundung entfernt. Während die EZB Staatsanleihen in großem Umfang ankauft, hält Athen nach frischem Geld Ausschau – ohne seine Reformzusagen einzuhalten. Brüssel denkt jetzt über eine gemeinsame Schuldenaufnahme in der EU nach. Doch Europa ist keine Ausnahme: Die globale Verschuldung hat dramatische Dimensionen erreicht.

Der Jubel der Bundesregierung über den Wahlsieg Emmanuel Macrons bei den französischen Präsidentschaftswahlen könnte schon bald dem Katzenjammer weichen. Denn der smarte Senkrechtstarter steht europapolitisch unter anderem für Eurobonds, sprich: für eine Vergemeinschaftung der Schulden. Davon profitieren die Schuldenstaaten, die Zeche zahlt am Ende der deutsche Steuerzahler.

Derweil kann sich Griechenlands Regierung entspannt zurücklehnen. Das dritte Rettungspaket läuft zwar 2018 aus, doch neue Milliardenspritzen sind nur eine Frage der Zeit. In Brüssel und Berlin wird bereits intensiv über Schuldenerleichterungen nachgedacht. So könnten die Laufzeiten der bisherigen Kredite um zehn, 20 oder noch mehr Jahre prolongiert werden. Ehrlicher wäre ein Schuldenschnitt – der ebenfalls diskutiert wird.

Der deutsche Topökonom Thomas Mayer warnte bereits, Deutschland werde wohl ewig für Griechenland zahlen. Athen macht derweil unbeirrt weiter wie bisher. Reformen sind noch immer nicht in Sicht: Die Privatisierung stockt, der Fiskus treibt Steuerrückstände von über 90 Milliarden Euro nicht ein, stattdessen wird der ohnehin überdimensionierte Staatsapparat unter der linken Regierung weiter aufgebläht.

Mit seiner lockeren Finanzmoral steht Athen nicht allein. Die fragwürdigen Anleihenkäufe der EZB haben inzwischen die Schwelle von 1,5 Billionen Euro überschritten. Parallel dazu denken kreative Köpfe in Brüssel über neue Wege der Geldbeschaffung nach. Im Gespräch sind etwa European Safe Bonds, also angeblich sichere Anleihenpakete, die an Investoren verkauft werden sollen, sofern sich solche überhaupt finden.

Eine andere Variante sieht eine gemeinsame Schuldenaufnahme von Euroländern vor. Als Obergrenze sind 60 Prozent ihrer Wirtschaftsleistung vorgesehen. So weit, so schlecht: Griechenlands Staatsverschuldung etwa liegt schon heute bei 170 Prozent des BIP. Auch Italien mit deutlich über 130 Prozent und Portugal mit 130 Prozent müssten bei diesem Modell außen vor bleiben.

Die laxe Geldpolitik der EZB ist – leider – keine Ausnahme. So hat sich die Bilanzsumme der US-amerikanischen Notenbank seit Ausbruch der Finanzkrise 2007 von 900 Milliarden auf mittlerweile 4,5 Billionen Dollar verfünffacht. Das entspricht umgerechnet der EZB-Bilanz von 4,1 Billionen Euro. Fed, EZB und Bank of Japan gaben insgesamt gigantische neun Billionen Dollar für Anleihenkäufe aus.

Fazit: Die globale Ökonomie steht auf sumpfigem Boden. Alle Staaten, Unternehmen und Haushalte zusammengerechnet waren zum Jahresende 2016 mit 215 Billionen Dollar verschuldet. Anders gesagt, der globale Schuldenberg macht 325 Prozent der jährlichen Weltwirtschaftsleistung aus, mit steigender Tendenz. Finanzexperten sind sich daher einig: Die Billionenbombe wird über kurz oder lang platzen.