Mario Ohoven

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Grenzenlose Verschuldung

ErfolgDie weltweite Verschuldung setzt sich in erschreckendem Tempo fort. Bei vielen EU-Schuldenstaaten scheint eine Rückzahlung ihrer Verbindlichkeiten fraglich. Gefahr droht zudem durch faule Bankkredite. Auf den Steuerzahler könnten Belastungen in Milliardenhöhe zukommen.

Höher, schneller, weiter: das olympische Motto passt auch auf die Schuldenpolitik in aller Welt. Seit der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise sind die Schuldenberge weiter gewachsen. Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) beziffert das Volumen aller im Umlauf befindlichen Schuldtitel auf 100 Billionen US-Dollar. Zum Vergleich: Vor der Lehman-Pleite im Jahr 2008 waren es „nur“ 70 Billionen Dollar.

Nach der Finanzkrise warfen Staaten und Unternehmen Anleihen in gigantischem Umfang auf den Markt. Es galt, die Konjunktur anzukurbeln und den angeschlagenen Banken unter die Arme zu greifen. Und so kletterte der Bestand staatlicher Schuldtitel nach Schätzungen der BIZ weltweit auf 43 Billionen Dollar – rund 80 Prozent mehr als Mitte 2007. Ebenso rasant vermehrten sich die Unternehmensanleihen.

Bei der Globalisierung der Portfolios vollzog sich eine Rolle rückwärts. Denn im Unterschied zu früheren Jahren halten inzwischen heimische Gläubiger das Gros der Anleihen. Ein ähnlicher Trend zeichnet sich im Bankensektor ab. Das Vertrauen der Finanzinstitute über nationale Grenzen hinweg schwindet zusehends. Immer weniger Kredite werden im Ausland vergeben. So gingen die grenzüberschreitenden Forderungen im dritten Quartal 2013 erneut zurück. Erinnerungen an das Jahr 2008 werden wach.

Gleichzeitig wächst die Furcht in der Eurozone vor einer neuen Schuldenkrise. Die britische Großbank Barclays sieht inzwischen auch große EU-Mitgliedsländer wie Frankreich, Italien und Spanien kaum mehr in der Lage, ihre Staatsschulden langfristig zu verringern. Die Gefahr eines Aufflammens der Krise dürfe „nicht beiseitegeschoben werden“, so die verklausulierte Warnung.

Barclays erwartet, dass Frankreichs Staatsschulden auch im Jahr 2030 noch wie heute rund 95 Prozent des BIP betragen werden. In Italien erreicht die Schuldenquote gut 130 Prozent der Wirtschaftsleistung, in Spanien rund 100 Prozent. Trotz politischer Reformen trauen die Barclays-Ökonomen Madrid den Schuldenabbau nicht zu.

Nicht minder beunruhigend sind die Ergebnisse einer aktuellen Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft. Die Kernaussage: Europas Steuerzahler werden womöglich erneut für in Not geratene Banken zur Kasse gebeten. Damit würde die europäische Politik ihr Versprechen brechen. Genau dieser Fall sollte nämlich nicht wieder eintreten.

Doch so dürfte es kommen. Bereits Ende 2012 summierten sich die ausfallgefährdeten Kredite auf fast 880 Milliarden Euro. Allein die faulen Kredite italienischer Finanzinstitute nahmen im Januar 2014 gegenüber dem Vorjahresmonat um 25 Prozent auf 160 Milliarden Euro zu. In den Bilanzen spanischer Banken ballten sich Ende 2013 Problemkredite mit einem Volumen von rund 200 Milliarden Euro. Entziehen die Märkte diesen Banken das Vertrauen, ist die nächste Krise da.