Mario Ohoven

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Gefährliche Ansteckung

ErfolgDas Krisen-Virus breitet sich in Europa aus. Erstmals sind Finnland und Belgien befallen. Zugleich wächst Griechenlands Schuldenberg. Athen lebt weiterhin über seine Verhältnisse: Konsum statt Investitionen. Ein drittes Hilfspaket scheint unausweichlich.

Die Erosion in der Eurozone schreitet unaufhaltsam voran. Das Centrum für Europäische Politik (CEP) attestiert nun auch Finnland und Belgien eine abnehmende Kreditfähigkeit. Ein Alarmzeichen, galt gerade Helsinki bislang als Hort der Stabilität in der Krise. Beim gesamtwirtschaftlichen Finanzierungssaldo rangiert das Land mit minus zwei Prozent des BIP jetzt vor Griechenland und Frankreich mit jeweils minus 1,7 Prozent, gefolgt von Belgien mit minus 1,6 Prozent.

Derweil spitzt sich im Süden Europas die Situation zu. Vor allem Griechenland bereitet dem CEP Sorgen: Athens Kreditfähigkeit verfällt zusehends – und schneller als in allen anderen Euroländern. Der Grund: Anstatt die Ausgaben zu reduzieren, sparen die Hellenen bei den Investitionen, was wiederum zu Lasten der Wettbewerbsfähigkeit geht. Griechenlands Konsumquote in Prozent des verfügbaren Einkommens ist die höchste in ganz Europa. Seit 2002 übersteigt sie Jahr für Jahr die 100-Prozent-Marke. Mit anderen Worten: Das Krisenland verschuldet sich immer stärker im Ausland, um seinen Konsum finanzieren zu können.

Ähnliche Tendenzen sind in Italien zu beobachten. In den vergangenen vier Jahren ist die Kreditfähigkeit der drittgrößten Volkswirtschaft in Euroland kontinuierlich zurückgegangen. Seit gut zehn Jahren führt Rom unter dem Strich mehr Kapital ein, als es ausführt. So liegt auch Italiens Konsumquote deutlich über dem verfügbaren Einkommen. Zudem überstiegen die Abschreibungen die Investitionen. Im Ergebnis weist Italien neben Griechenland und Portugal einen abnehmenden Kapitalstock auf.

Besserung ist nicht in Sicht. Im Gegenteil: Die Schuldenmacher können sich entspannt zurücklehnen. Ihr schlechtes Beispiel scheint – siehe Finnland und Belgien – sogar Schule zu machen. Denn infolge der Unterstützungsmaßnahmen der Europäischen Zentralbank hat der (Reform-)Druck der Finanzmärkte auf die Krisenländer nachgelassen. Das werde die Eurozone insgesamt noch einholen, warnt bereits das CEP.

Die Warnung der Experten ist mehr als berechtigt. Athen kann sich auch ohne allzu große Reformanstrengungen Hoffnungen auf ein drittes Hilfspaket machen. Wenngleich es offiziell noch bestritten wird, sind die Konturen längst erkennbar. Das Volumen dürfte zwischen zehn und 20 Milliarden Euro betragen. Stand heute wird Griechenland aber schon mit insgesamt 240 Milliarden Euro über Wasser gehalten.

Für seinen nachlassenden Sparwillen soll Athen überdies belohnt werden. Die Bundesregierung will Griechenland anders als bisher bei einem dritten Paket die Reformziele nicht im Detail vorgeben. Ansonsten bleibt alles beim Alten. Wer wieder einmal die Zeche zahlt, machte Ex-EZB-Chefvolkswirt Ottmar Issing unlängst im „Handelsblatt“ klar: „Deutschland trägt bisher einen Hauptteil an allen finanziellen Rettungsaktionen, und das wird sich kaum ändern.“